8 einfache Wege, um in Deinem Team eine effektive Lernkultur einzuführen – gerade jetzt! – Teil 1

Neues zu lernen, altes zu verlernen oder bessere Wege zu entdecken – das waren schon immer Faktoren für den Erfolg von Teams und Einzelpersonen. Gerade jetzt – in Corona-Homeoffice-Zeiten – kommt die Herausforderung dazu, dass wir schnell Lösungen brauchen. Deinem Team die Freude am lebenslangen Lernen nahe zu bringen, kann nun auf fruchtbaren Boden fallen.

Lebenslanges Lernen – gehörst Du zu denjenigen, die bei dieser Aussage eine Tonne auf ihren Schultern spüren? Nicht alle Menschen sagen „Super, endlich kann ich mal wieder lernen!“. Von den meisten kommen eher Kommentare wie „Muss eben sein“ oder „Einmal muss auch Schluss sein mit dem ganzen Lernen“. Das liegt häufig daran, dass wir in der Schule, in der Ausbildung oder in Trainings nicht die besten Erfahrungen gesamelt haben. In dem Meetup „Wie kommt das neue Lernen in die Arbeit – mit einem SOFA?“ von Frank Pyko haben wir darüber nachgedacht, was gute Lernerfahrungen für uns sind. Es fielen Begriffe wie Vision, Sinn, gemeinsam, Zeit, Klarheit, …. – daraus entstanden meine Empfehlungen:

  1. Den Alltag reflektieren – was haben wir gelernt?

Lernen – das ist das, was im Trainingsraum oder im Onlinekurs passiert? Nein, wir lernen jeden Tag Neues – und momentan besonders viel: War gestern die Videokonferenz noch eine Herausforderung, wagen wir uns heute in die advanced settings unseres Tools vor. Wir lernen, wie klare Priorisierung uns bei der erhöhten Arbeitsbelastung hilft. Und wir alle lernen gerade viel über Resilienz.

Lernen passiert ständig und jederzeit, unser Gehirn kann gar nicht anders, als zu lernen (Henning Beck erklärt das wunderbar in dem Buch „Hirnrissig“). Das ist schon mal beruhigend. Wenn wir uns die alltäglichen Lernprozesse bewusst machen und unserem Gehirn durch ein paar Minuten der Reflexion weitere Verknüpfungen ermöglichen, können wir jedoch ein höheres Level des Lernens erreichen: Wir behalten mehr und können das Gelernte zukünftig auch in anderen Situationen nutzen.
Wie kannst Du das erreichen? Der einfachste Weg: Reserviere fünf Minuten des Tages für die Reflexion des Gelernten. Alleine oder im Team. Am besten als Routine, gekoppelt an etwas, das sowieso auf der – informellen – Agenda steht: Du trinkst gerne noch einen letzten Kaffee und sichtest dabei die Aufgaben für den morgigen Tag? Dann ergänze Deine Routine durch einen kurzen Rückblick. Ihr habt noch einen kurzen Check-in am Ende des Tages? Dann ergänzt ihn durch „5-1“ (fünf Minuten über ein Thema nachdenken) oder „1-5“ (jeweils eine Minute über insgesamt fünf Themen). 5-1 eignet sich gut, um in die Tiefe zu gehen und Themen so aufzubereiten, dass sie mit anderen geteilt werden können, 5-1 zeigt dagegen die Vielfalt dessen, was wir täglich lernen. Idealerweise nutzt Ihr eine einfache Dokumentation. Ein virtuelles Lerntagebuch, Video- oder Audioclips, Fotos – alles, was Eure Lernfortschritte zeigt, kann in einem gemeinsamen Dokument erfasst werden. One-Note kann sich z.B. als kleines Wissenmanagementssystem nutzen lassen, aber auch Padlets sind ein guter Start.

eigenes Bild

2. Wie geht’s und miteinander? – Ein besseres Miteinander lernen

Eine Freundin von mir begann die Zeit der Kontaktsperre mit einer Familienkonferenz. Sie, ihr Mann und ihre drei Kinder setzten sich zusammen und brachten alles auf den Tisch, was „mich an Dir nervt“, um dann Regeln zu besprechen, um diese Nervereien zu vermeiden. (Bisher berichten sie von einem ruhigen Familienleben mit viel Spaß!)

Im Arbeitskontext ist eine andere Fragestellung angebracht, doch die Grundtechnik bleibt dieselbe: Nur, wenn wir wissen, womit wir andere belasten, können wir unser Verhalten ändern. Für viele Menschen ist es nicht einfach, Feedback anzunehmen. Gerade, wenn die Stimmung durch die Umstände sowieso schon gereizt ist, wird es noch schwerer, Feedback „als Geschenk“ anzunehmen. Also doch lieber lassen? Nein. Dreh es um. Wir sind in einer Ausnahmesituation, eine ideale Zeit, um Regeln und Standards zu überprüfen. Frage das Team – in Einzelgesprächen oder im Team, was sie sich wünschen: „Was brauchst Du, damit Du die Deadlines sicher einhalten kannst?“ Oder „Wann und wie möchtest Du über den Stand der Aufträge informiert werden?“. Vielleicht ergeben sich daraus ganz neue Ideen, wie Ihr miteinander arbeiten wollt. Natürlich gilt immer noch die alte Regel meiner Eltern: „Wunschzettel sind keine Bestellzettel“, aber die Wünsche, die das Team benennt, können wertvolle Gespräche anstoßen.

3. You never learn alone – Buchclub/Videoclub

Das Wissen ist da: Ecosia listete am 6. April 794.000 Ergebnisse bei der Suche nach „Zeitmanagement“ auf. (Google toppt das locker, pflanzt aber keine Bäume). Allerdings bedeutet Wissen nicht gleich Können. Dazu kommt: Vielen Menschen fehlt die Routine beim Lernen. So schieben sie die Lektion im Online-Kurs immer weiter, bis sie vergessen ist oder sie legen das Buch auf den Nachttisch, wo es nie gelesen wird.
pixabay.com, Victoria_Borodinova

Leichter fällt das selbstorganisierte, anwendungsorientierte Lernen, wenn man sich zu Lerngruppen zusammenschließt. Vielleicht ist der Kurs immer noch so schlecht, dass Ihr ihn abbrecht. Vielleicht habt Ihr immer noch nicht genügend Zeit, um das Video bis zum Ende anzusehen. Aber bestimmt seid Ihr motivierter, die geplanten Lernfortschritte zu machen, wenn Ihr Euch am nächsten Tag mit Euren Kollegen trefft, um darüber zu sprechen. Formate wie WOL, LernOS oder Erfolgsteams beruhen genau auf diesem Effekt. Von diesen Formaten können wir zwei wichtige Tricks lernen:

• Fangt klein an: Besser als der Komplettkurs „8 Stunden für Ihren Erfolg“, sind Formate, die nur ein paar Minuten Zeit beanspruchen.
• Fangt konkret an. Besser als das „Das ultimative Konzept, um auf immer und ewig Erfolg zu haben“ sind konkrete Fragestellungen, die Ihr als Team lösen wollt.

Habt Ihr Euren Inhalt ausgewählt, braucht Ihr ein passendes Format. Bewährt haben sich Brown-bag-Lunches oder Lunch & Learns. (In Zeiten des Homeoffices ist eine gemeinsame virtuelle Pause auch eine gute Methode, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Und der Weg zur Küche ist ja nicht weit.) Ihr könnt die Zeit nutzen, um gemeinsam ein Video zu sehen oder einen Artikel zu lesen und Euch danach über Eure Gedanken und Ideen auszutauschen, Fragen zu klären und über Anwendungen für Eure konkrete Arbeit zu sprechen. Oder – wenn alle die entsprechende Disziplin haben: Ihr reserviert die Team-Zeit für den Austausch untereinander und beschäftigt Euch vorher mit dem Input.

Eine Sammlung von Reflektionsanleitungen könnt Ihr in diesem Blogpost finden.

4. Geteilte Recherche ist doppelte Recherche – Wo und wie finde ich Informationen?

Ich weiß nicht, wie ich eine Pivot-Tabelle in Excel erstelle? Youtube hilft. Ich möchte auf dem Laufenden über die Trends in meinem Fachgebiet bleiben? Wer keinen guten Newsletter für sein Fachgebiet findet, muss schon eine sehr spezielle Nische besetzt haben. Inhalte zu finden, ist leicht. Aber ist das schon eine gute, zeitlich effiziente Recherche? Ein strukturiertes, fundiertes Vorgehen verspricht nachhaltigen Erfolg.
pixabay.com, silviarita

Aber wo findet man die besten Antworten? Wie beurteilt man die Relevanz der Information? Macht Euer Vorgehen sichtbar und überprüft, welche Recherchestrategien besonders erfolgversprechend sind. Eine gute Möglichkeit ist es, Rechercheaufträge gemeinsam zu übernehmen, z.B. „Welche digitalen Tools ermöglichen Brainstorming mit folgenden Kriterien …“ oder „Wie können wir Kundenumfragen besser gestalten?“. Anschließend könnt Ihr die folgenden Fragen beantworten:

• Wie hast Du recherchiert? Was ist Dir leicht gefallen?
• Welche Quellen waren hilfreich?
• Welche Fragen hast Du dir gestellt?
• Wie hast Du die gefundenen Informationen strukturiert und bewertet?
• Was würdest Du anders machen?

Ich habe vier getestete Ideen beschrieben, wie Ihr eine effektive Lernkultur in Eurem Team einführen und fördern könnt. Nun seid Ihr dran: Welche Idee werdet Ihr noch diese Woche ausprobieren? Nutzt die Chance, mit anderen zu diskutieren, und teilt Eure Erfahrungen. Im zweiten Teil dieses Artikels geht es darum, Lernen als Teamroutine zu etablieren. Diese Methoden warten auf Euch:

• Wer weiß denn so was – Wissensnetzwerke aufbauen
• Die gemeinsame Reise zum nächsten Level – Teamentwicklungspläne
• Team learning officers – Klare Rollen helfen und
• Was wäre wenn – Konsequentes In-Stellen

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